14. Zusammenfassung

Wenn es auch den Anschein hat, als ginge es bei der Einführung der Verbesserungspunkte nur um einen religiösen Missionsgedanken, als sei der Eifer, mit dem alle diese Dinge auf der einen Seite betrieben, auf der anderen Seite aber abgelehnt wurden, einem übertriebenen religiösen Fanatismus zuzuschreiben, so ist dies doch nicht ganz der Fall. Gewiß mögen diese Dinge auch eine Rolle gespielt haben, vielleicht sogar eine beträchtliche Rolle, aber in der Hauptsache ging es doch um andere Dinge, nämlich um politische Bestrebungen der einen wie auch der anderen Seite. Die Städte, in denen der Kampf um die Einführung des neuen Ritus am härtesten tobte, Marburg, Schmalkalden und Hersfeld, waren sämtlich Neuerwerbungen der Landgrafen, deren Verbindung zu Hessen-Kassel z.T. noch nicht gesichert war, weil deren Eigenständigkeit gegenüber der Landgrafschaft auf einigen Gebieten vertraglich und testamentarisch festgelegt war. Sie konnten sich deshalb eines gewissen Eigenlebens erfreuen. So ist der Widerspruch der Hersfelder gegen die Verbesserungspunkte zugleich ein Bestreben, eine gewisse politische Selbständigkeit zu bewahren, einen allzu engen Anschluß an Hessen zu verhindern und den Zentralisierungstendenzen des Landgrafen entgegenzuwirken. Dem gegenüber war es der Wunsch des Landgrafen, eine Angleichung der Verhältnisse im Stift Hersfeld an Hessen-Kassel herbeizuführen. Um dasselbe besser assimilieren zu können, setzte er diese Angleichung mit Härte und Energie durch. In dieser Zeit der beginnenden Verabsolutierung der Territorialstaaten war für den Landgrafen eine derartige Zentralisierung und Vereinheitlichung des Fürstentums unbedingt notwendig.




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